Grenzen

Grenzen setzen und das Familienleben entlasten

Viele Eltern fühlen sich im Alltag hilflos, wenn ihr Kind vermeintlich testet, wie weit es gehen kann. Einerseits gilt der autoritäre Erziehungsstil als überholt und viele Eltern möchten ihrem Kind auf Augenhöhe begegnen und keinen Gehorsam verlangen. Andererseits bleibt die Erwartung bestehen, dass Kinder auf das hören sollten, was die Eltern sagen. Kommt eine Teilleistungsschwäche oder eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung beim Kind hinzu, belastet dies in der Regel die Beziehung zwischen Eltern und Kind noch mehr.

Das Familienleben durch Regeln, Absprachen und Pläne entlasten

Regeln einführen

Häufig ist die Art und Weise das Problem, wie Eltern Regeln oder Grenzen aussprechen. Was Kindern aber helfen würden, wären selbstsichere Erwachsene, die klar und zugewandt bleiben und Regeln deutlich kommunizieren können. Konkret heißt das:

  • Wenn Sie eine Aufforderung oder eine Regel formulieren möchten, stellen Sie sicher, dass Ihr Kind Ihnen zugewandt ist und Sie seine Aufmerksamkeit haben. Sie können die Aufmerksamkeit einfordern, indem Sie es direkt ansehen, den Blickkontakt herstellen, es ansprechen (mit Namen) oder es berühren.
  • Äußern Sie die Regel mit ruhiger Stimme und nicht als Bitte.
  • Erklären Sie die Regel altersgerecht (s. u.).
  • Geben Sie immer nur eine Aufforderung.
  • Stellen Sie die Aufforderung nur dann, wenn Sie sicher sind, diese auch durchsetzen zu können.
  • Überprüfen Sie, ob Ihr Kind der Aufforderung nachkommt und ziehen Sie entsprechende Konsequenzen (Lob oder negative Konsequenz).

Richtig Loben: 

  • Sprechen Sie das Lob mit Begeisterung aus. Meinen Sie, was Sie sagen!
  • Loben Sie konkret das Verhalten des Kindes. Zum Beispiel: “Schön, dass du gleich deine Jacke aufgehängt hast.”

Negative Konsequenzen

Konsequenzen und Strafen werden oft als Antwort auf die Nichteinhaltung von Regeln oder bei Grenzüberschreitungen eingesetzt. Für das Kind soll klar sein, dass auf Grund des eigenen Verhaltens eine Reaktion erfolgt. Diese Konsequenz muss nachvollziehbar sein. „Letztlich ermöglichen Konsequenzen eine Lernerfahrung, durch die sie selbstständig ihr Verhalten neu und anders strukturieren können“ (Focali 2011, S. 90).

Wird zum Beispiel ein Becher umgekippt, da das Kind zu wild am Tisch war und nicht “ordentlich” gegessen hat, wäre die Konsequenz, die entstandene Pfütze je nach Alter in Begleitung aufzuwischen. Eine logische Konsequenz, etwas ist nass und wird getrocknet. Ich trage keine Jacke und friere oder ich nehme ein Spielzeug mit in die Kita und es könnte kaputt gehen.

Wichtig beim Umsetzen der negativen Konsequenzen ist:

  • Benennen Sie die Regelverletzung.
  • Geben Sie dem Kind eine zweite Chance. Wenn es der Aufforderung nun nachkommt, loben Sie es, wenn nicht, setzen Sie die negative Konsequenz um.
  • Führen Sie die negative Konsequenz möglichst ruhig durch.
  • Führen Sie keine langen Diskussionen mit Ihrem Kind.

Familienleben ist ein ständiges Aushandeln von Bedürfnissen und Eltern dürften sich selbst dabei nicht vergessen. Manchmal braucht es ein klares Nein. Und Kinder müssen, um daran zu wachsen, auch mal frustriert über ein Nein sein.

Strafen

Strafen sind im Gegensatz zu Konsequenzen pädagogisch anders zu betrachten und müssen sehr kritisch hinterfragt werden. Strafen werden vorrangig in hitzigen Situationen emotionsgeladen ausgesprochen.

Achtung: Strafen hemmen Kinder sich zu selbstbewussten und eigenverantwortlichen Individuen zu entwickeln und setzen Aggressionen und Frust frei. Das wichtige positive Vorleben von Rollen kommt stark ins Wanken, denn als Antwort auf unerwünschtes Verhalten des Kindes wird die Macht der Erwachsenen benutzt.

Ausnahmen und Kompromisse

Häufig beschäftigt Eltern die Frage, wie konsequent sie eigentlich sein müssen. Die Angst, Kinder könnten einem bei zu viel "laissez-faire" auf der Nase herumtanzen, ist bei vielen Eltern ein ständiger Begleiter.

Es gilt: Regeln sind nicht immer starr, aber ein bewusster Umgang mit ihnen, angepasst an die Situation ist wichtig!

Das heißt, je nach Art der Regel gibt es einen entsprechenden Spielraum. Werden Regeln oder Verbote eingesetzt, um beispielsweise Gefahren abzuwenden (“Im Auto muss man sich anschnallen.”, “Es ist verboten anderen weh zu tun.”) müssen diese konsequent angewandt werden. Andere Regeln bieten mehr Spielraum:

Es ist ein heißer Sommertag und das Kind will das dritte Eis. Wollen Sie jetzt Ihre Regel umsetzen und diesen Kampf führen? Das ist legitim. Es wird entschieden: Es gibt dieses Eis nicht, Ende der Diskussion. Und dann müssen Sie aber auch damit leben können, dass das Kind das blöd findet und einen Wutanfall bekommt. Und darauf hat es ein Recht: Es ist traurig, es wollte ein Eis und die Eltern haben die Macht, die das Kind nicht hat.

Es ist wichtig, dass wir einstehen für das, was uns wichtig ist. Und gleichzeitig müssen wir sehen, dass Konsequenzen um der Konsequenz willen ein reines Machtinstrument sind.

Eltern müssen nicht andauernd ihre Machtposition behaupten, um Kinder zu "bändigen". Denn Kinder haben von sich aus ein großes Interesse, mit den Eltern in einer gesunden Beziehung zu stehen.

Um diesem Bedürfnis entgegenzukommen, helfen häufig Kompromisse: Statt dem Kind das dritte Eis zu erlauben, könnten Sie ihm eine alternative Erfrischung anbieten oder es mit einer ausgefallenen Spielidee ablenken.

Es gib auch Situationen, die sich nicht friedvoll lösen lassen. Wenn beispielsweise ein Kind partout nicht in das Auto einsteigen will, keine Strategie hilft und ein anderes Kind aber dringend abgeholt werden muss. Dann bleibt keine andere Möglichkeit, als sich durchzusetzen und das Kind kurzerhand in seinen Autositz zu setzen und es anzuschnallen. Das sollte aber so freundlich wie möglich und nur in Notsituationen geschehen, weil das natürlich wie ein Übergriff auf das Kind ist.

Altersgerechte Regeln

Wie gut Kinder am Ende Regeln befolgen können, ist eine Frage des Alters und der Gehirnentwicklung. Oft überschätzen Eltern, was Kinder in welchem Alter schon verstehen können: Während eine Achtjährige sehr wohl versteht, dass sie im Winter eine Jacke braucht, bevor sie rausgeht, kann es schwierig sein, dies einem Dreijährigen zu erklären, der die Kälte erstmal fühlen muss.

Die Wissenschaft zeigt auch, dass Kinder erst ab einem Alter von etwa vier Jahren mehr und mehr in der Lage sind, zu verstehen, was andere denken.

Wichtig ist auch, dass man den Kindern altersgerecht Regeln und Grenzen erklärt und sie miteinbezieht:

Wie viel Grenzen Kinder am Ende brauchen, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Es gibt Kinder, die sehr anpassungsfreudig sind, die sich sogar freuen, wenn Eltern ihnen klare Regeln vorgeben, nach denen sie spielen können. Aber ebenso gibt es Kinder, für die ist jede Grenze, gegen die sie rennen, eine Einladung, noch einmal dagegen zu rennen. Die haben eine ganz große Autonomie in sich. Das sind aber keine bösen oder schlecht erzogenen Kinder. Deren Eltern haben auch nichts falsch gemacht. Die Kinder haben einfach eine andere Persönlichkeitsstruktur.

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