Wahrnehmung und Merkfähigkeit

Wahrnehmung und Merkfähigkeit

Millionen Sinneseindrücke erreichen unser Gehirn täglich über verschiedene Kanäle: Visuell über unsere Augen, akustisch über die Ohren und taktil über unsere Haut. Alle landen im Kurzzeitgedächtnis, wo sie gefiltert werden. Automatisch, aber auch bewusst. Nach einer Stunde haben wir bereits 50 % dieser Eindrücke wieder vergessen.

Welche Informationen ins Langzeitgedächtnis gelangen und dort verbleiben, hängt von individuellen Interessen ab: Was bereitet mir Freude oder löst andere Gefühle aus? Was kenne ich schon? Was habe ich zum wiederholten Male gesehen, gehört oder gefühlt? Auch der Kanal, über welchen der Sinneseindruck unser Gehirn erreicht, entscheidet mit, wie lange die Information im Gedächtnis haften bleibt.

So nimmt nicht jeder Mensch Informationen auf dieselbe Weise auf. Manch einer eignet sich Wissen besonders gut an, wenn er Inhalte liest, ein anderer, wenn er Inhalte erklärt oder vorgelesen bekommt. Aus diesen Unterschieden in der Informationsverarbeitung und der Wissensaneignung lassen sich verschiedene Lerntypen ableiten.

Die vier Lerntypen nach Vester

Besonders bekannt für eine Einteilung in Lerntypen ist Frederic Vester, der vier Typen unterschieden hat:

Lerntypen nach Vester

Mit Hilfe dieser Einteilung in Lerntypen soll es uns leichter fallen, den richtigen Kanal zum Lernen zu finden und dadurch den idealen Weg zu erkennen, um sich Wissen langfristig anzueignen.

Kritik an der Einteilung nach Vester

Doch die starre Einteilung nach Vester wird heutzutage kritisiert: Nach seiner Auffassung gehört jeder Mensch genau einem Lerntyp an, sodass es immer nur eine Methode gibt, möglichst effizient zu lernen.

Inzwischen hat sich gezeigt, dass es nicht nur eine Möglichkeit für einen Menschen gibt, Inhalte erfolgreich aufzunehmen und zu behalten. Vielmehr hat sich eine Mischung aus den unterschiedlichen Lerntypen – besser gesagt: den unterschiedlichen Lernvorlieben als sinnvoll erwiesen. So lernt manch einer durch visuelle Medien erfolgreich, während andere Gesprächsrunden oder Vorträge zusätzlich zu visuellen Präsentationen bevorzugen.

Man sollte also nicht krampfhaft versuchen, sich einem der vier Lerntypen zuzuordnen, sondern eher überlegen, wo die eigenen Vorlieben liegen und diese entsprechend nutzen.

Eine Kombination der unterschiedlichen Wahrnehmungskanäle hat sich beim Lernen als sinnvoll erwiesen, wie folgende Übersicht zeigt:

Wahrnehmungskanal

Sinneseindrücke, die im Gedächtnis

gespeichert werden

Lesen

10 %

Hören

20 %

Sehen

30 %

Hören und Sehen

50 %

Sehen, Hören und mit eigenen Worten wiedergeben

70 %

Sehen, Hören, Diskutieren und selbst ausprobieren

90 %

Dies verdeutlicht: Je mehr Wahrnehmungskanäle angesprochen werden, desto besser werden Lerninhalte gespeichert.

Unsere Lerntipps

Mit unterschiedlichen Lernwegen besser lernen:

Mit einer Kombination der Wahrnehmungskanäle lässt es sich besser lernen. Daher sollten Lerninhalte auf unterschiedliche Weise betrachtet werden:

  • Den Text durchlesen
  • Den Inhalt des Textes mündlich zusammenfassen und eventuell mit einem Lernpartner diskutieren
  • Unterhalb des Textes eine stichwortartige Zusammenfassung des Inhalts notieren
  • Wichtige Textstellen mit Leuchtstift markieren
  • Eine kleine Skizze zeichnen zu einem wichtigen Punkt
  • Eine neue Überschrift für den Text finden

Pausen einlegen:

  • Pro Tag nicht mehr als 7 Stunden reine Lernzeit
  • Nach 3 Stunden Lernzeit eine Erholungspause von 30 –90 Minuten
  • Nach 2 Stunden Lernzeit eine Pause von 15 – 20 Minuten
  • Nach 30 Minuten eine Kurzpause von fünf Minuten
  • Kurz vor der Pause etwas zurechtlegen, mit dem man nachher weitermachen möchte.
  • Nach 5 – 10 Minuten Lernzeit eine Pause von 1 Minute (Arbeitsplatz nicht verlassen)

Den Lernstoff verschriftlichen:

  • Spickzettel schreiben und wegwerfen
  • Den Lernstoff auf Karteikarten schreiben
  • Themen auf Post-its schreiben und wegwerfen, wenn der Stoff sitzt
  • Plakat mit Lernstoff füllen

Zeitplan und Motivation:

Lernen nach Plan mit vorher festgelegten, erreichbaren Zwischenzielen gibt Sicherheit: Dank der festen Struktur wird der Berg an Lerninhalten übersichtlich und bewältigbar.


Maulwurfshügel


Den Lernstoff organisieren und ordnen:

Sind Fakten oder Begriffe organisiert und bestimmten Kategorien sowie Unterkategorien zugeordnet, steigt die Lernleistung deutlich an. Lernstoff kann man nach Inhalt, Kapitel, Lernziel und dem Bezug zu vorangegangenen Themen und Kapiteln organisieren. Der Text selbst lässt sich übersichtlich in Abschnitte mit Überschriften unterteilen. Weitere hilfreiche Unterteilungen sind Kontrollaufgaben mit Lösungen und Zusammenfassungen.

Die Prüfungssituation simulieren:

Mitunter sorgt die veränderte Umgebung der Prüfungssituation dafür, dass Gelerntes nicht mehr richtig abgerufen wird. In diesem Fall hilft die Simulation der Prüfungssituation im Vorfeld - bzw. soweit möglich sogar am echten Prüfungsort.

Gut auf den Körper achten:

Wer gut lernen will, sollte auf ausreichenden Schlaf achten. Auch wer durch Bewegung und gesunde Ernährung seinem Körper Gutes tut, lernt besser und leichter.

Fazit

Das Lernen gehört zum Leben, nicht nur zu Schulzeiten, sondern auch im Beruf und Alltag. Wer seinen Lerntyp kennt, oder besser gesagt, seine Lernvorlieben, kann sich das Lernen leichter machen. Am besten probiert man die unterschiedlichen Formen aus. Das ist anfangs vielleicht etwas mehr Aufwand, doch es zahlt sich aus!

Weitere Hilfen zum Thema Lernen geben wir mit unserem Angebot zum Lerncoaching und in verschiedenen Workshops für Eltern aber auch Lehrer.

Quellen

  • Elisabeth Aust-Claus, Hammer, Petra-Marina, (2011): "ADS. Topfit beim Lernen: AufmerksamkeitsDefizitSyndrom. Bedienungsanleitung für dein Gehirn.", in OptiMind-Konzept für die 5.-10.Klasse
  • https://mitteldeutsches-institut.de/lerntypen/

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