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Rechenschwäche/Dyskalkulie

Haben Sie bei Ihrem Kind eine oder mehrere der folgenden Schwierigkeiten beobachtet:

  • Zählen mit den Fingern, auch bei Zahlen weit über 10 und es gibt Schwierigkeiten mit den größeren Zahlenräumen?
  • Die Zuordnung von Zahlen und Mengen fällt schwer (z. B. fünf Finger und die Ziffer 5)?
  • Spiele, die das räumlich/visuelle Vorstellungsvermögen fordern (Memory, Puzzles, Bau- und Steckspiele), werden ungern gespielt?
  • Die räumliche und zeitliche Orientierung fällt schwer, Wege werden schlecht gefunden und es besteht die Angst, zu spät zu kommen?
  • Vergleiche wie größer/kleiner oder länger/kürzer oder der Umgang mit Maßeinheiten fallen schwer?
  • Textaufgaben scheinen unlösbar zu sein?

Wenn Sie einige oder alle dieser Fragen mit Ja beantworten können, handelt es sich evtl. um eine Rechenschwäche (RS) / Dyskalkulie. Dies kann durch eine fundierte Testung festgestellt werden.

Der Begriff der Rechenschwäche (RS) / Dyskalkulie

Kurz und knapp:

RS ist die Abkürzung für „Rechenschwäche“ oder auch „Rechenstörung“ (gleichbedeutend mit dem Begriff Dyskalkulie).

Ausführliche Informationen:

Neben diesen drei gebräuchlichsten Begriffen gibt es eine kaum enden wollende Liste weiterer Fachbegriffe, die Schwierigkeiten in Teilaspekten des Rechnens zu bezeichnen versuchen. Zu erwähnen ist noch die sog. Sachrechenschwäche, bei der die Kinder die arithmetischen Grundoperationen beherrschen, jedoch Textaufgaben nicht entschlüsseln können.

Von einer Rechenstörung kann man dann sprechen, wenn nach festgelegten diagnostischen Kriterien die Rechenleistungen des Kind deutlich unter dem Altersdurchschnitt liegen und ein deutlicher Abstand zwischen der diagnostizierten Rechenleistung und den Begabungswerten des Kindes vorliegt. Wenn das zutrifft, liegt eine sehr massive Beeinträchtigung der Rechenleistung vor. Der Begriff Rechenschwäche ist allgemeiner gefasst und trägt auch den Kindern Rechnung, die sehr wohl massive Schwierigkeiten im Teilbereich Rechnen aufweisen, aber nicht vollständig unter die diagnostischen Richtlinien Rechenstörung fallen.

Gemeinsam haben beide Fälle, ob Rechenstörung oder Rechenschwäche, dass ein pädagogischer Auftrag vorliegt und gehandelt werden muss, in Form einer zusätzlichen individuellen Förderung. Deshalb verwenden wir in der PTE vornehmlich den allgemeinen Begriff Rechenschwäche.

Die Zahlen zur Häufigkeit von Rechenschwierigkeiten schwanken. Dies liegt wohl an der unterschiedlichen Verwendung der Begriffe. Bei der Rechenstörung geht man im deutschsprachigen Raum von einer Häufigkeit von 4,4 bis 6,7 Prozent aus. Dies bedeutet, dass statistisch gesehen in einer durchschnittlich großen Klasse mit 25 Schülern zumindest ein Kind mit einer Rechenstörung ist.

Häufig treten zusätzlich zur Rechenstörung andere Schwierigkeiten auf:

  • 17 Prozent der Kinder mit Rechenstörung haben zusätzlich eine Lese-/Rechtschreibschwäche.
  • 26 Prozent der Kinder mit Rechenstörung haben zusätzlich Symptome einer ADHS.

Rechenschwäche ist die einzige Lernstörung bei der Mädchen 1,5-mal häufiger betroffen sind als Jungen. Es liegt nahe, dass Mädchen häufiger Matheängste entwickeln, was sich dann wiederum leistungsmindernd auswirken kann. Allerdings sind bei sehr schweren Rechenstörungen doch wieder mehr Jungen als Mädchen betroffen.

Die Rechenschwächetherapie

Kurz und knapp:

Eine Lerntherapie im Bereich RS setzt daher nicht am Schulstoff, sondern an den Basiskompetenzen und dem Zahlenverständnis an. Die Entwicklung und den Erwerb eines mathematischen Verständnisses eines Kindes vergleichen wir mit einem Haus: Sind die Fundamente des Hauses beschädigt oder gibt es Lücken in den unteren Stockwerken, kann das gesamte Gebäude nicht stabil sein.

Ausführliche Informationen:

Das Therapiekonzept der PTE für die Behandlung der Rechenschwäche orientiert sich am aktuellen Stand der Wissenschaft. Wir legen großen Wert darauf, die Qualität unserer Arbeit durch Verlaufs- und Abschlusskontrollen zu sichern. Durch unsere fundierte Eingangsdiagnostik wissen wir um die Stärken und Schwächen des Kindes. Dadurch orientiert sich die Therapie nicht am aktuellen Stoff der Schule, sondern am individuellen Stand des Kindes auf dessen Grundlage ein individueller Therapieplan erstellt wird. Die Entwicklung und den Erwerb eines mathematischen Verständnisses eines Kindes vergleichen wir mit einem Haus: Sind die Fundamente des Hauses beschädigt oder gibt es Lücken in den unteren Stockwerken, kann das gesamte Gebäude nicht stabil sein. Deshalb ist die Aufarbeitung von Lücken im pränumerischen Bereich, aber vor allem der Aufbau eines sicheren kardinalen Zahlverständnisses und daran anschließend der Aufbau eines sicheren Operationsverständnisses zentral für die RS-Therapie.

Die Vermittlung von Erfolgserlebnissen, Spaß am Lernen und an Mathe stehen dabei immer im Mittelpunkt, da die Lernmotivation zentral ist für den weiteren Therapieerfolg. Die Stärkung des Selbstvertrauens und der Abbau von Versagensängsten sind ebenfalls Kernbestandteile der Therapie. Dabei wird nicht nur das Kind entlastet, sondern das gesamte familiäre und schulische System und lässt Stärken des Kindes wieder ins Blickfeld rücken. Vorgegangen wird mit allen Sinnen in kommunikativer Auseinandersetzung mit der/dem Therapeut(in) unter anderem durch lautes Verbalisieren von Rechenwegen und Denkprozessen.
Zum Einsatz kommen mathematisch und didaktisch durchdachte und strukturierte Veranschaulichungsmittel, die zum Aufbau von Vorstellungsbildern beitragen. Das Übersetzenlernen zwischen den Darstellungsebenen d. h. zwischen handelnder(z. B. Rechenkette), bildhafter (z. B: Punktbilder) und symbolischer (z. B. 13) Ebene wird dabei kontinuierlich verfolgt.

Auf eine regelmäßige Elternbetreuung und -beratung legen wir großen Wert. Sie findet in Form von individuellen Elterngesprächen und Elternseminaren statt. Der Austausch mit der Schule und dem Fachlehrer wird von uns ebenfalls gewünscht. Durch unseren multimodalen Förderansatz werden in der Regel bereits nach kurzer Zeit erste motivierende Erfolge erreicht.

Zielsetzung

Das Selbstvertrauen wird gestärkt und Versagensängsten werden abgebaut. Dabei wird nicht nur das Kind entlastet, sondern das gesamte familiäre und schulische System. Stärken des Kindes rücken wieder ins Blickfeld. Die Kompetenzen im Fach Mathematik werden lebenslang gestärkt.

Eine RS kann auch in Kombination mit einer Lese-/Rechtschreibschwäche oder einer ADHS/ADS auftreten.

Anzeichen

Die Schwierigkeiten, die Kinder mit einer RS haben, sind individuell sehr verschieden. Eine professionelle Überprüfung, ob eine RS vorliegt, ist immer dann sinnvoll, wenn Kinder zunehmend eine Ablehnung gegen das Rechnen entwickeln und die Mathehausaufgaben und das Üben immer mehr zur Qual für alle Beteiligten werden. Besonders auffällig ist, dass Kinder mit RS viel länger als andere mit den Fingern rechnen und dafür oft sehr geschickte Fähigkeiten entwickeln, das versteckt zu halten („verrechnen“ sich dabei häufig um „1“). Deshalb tritt die RS häufig erst um die dritte Klasse offensichtlich in Erscheinung, wenn die Zahlenräume so groß werden, dass die Ergebnisse nicht mehr „er-zählbar” sind. Im Kindergartenalter und frühen Schulalter mögen die Kinder oft Spiele nicht, die das räumlich-visuelle Vorstellungsvermögen beanspruchen (z. B. Bauklötzebauen/Legospielen; Memory/Puzzles) und haben häufig Probleme in der räumlichen und zeitlichen Orientierung (z. B. finden Wege schlecht; haben oft Angst zu spät zu kommen). Vergleiche wie größer/kleiner, länger/kürzer fallen ihnen schwer, den älteren Kindern der Umgang mit Maßeinheiten, da sie keine Vorstellung von Größen- oder Mengenverhältnissen zu haben scheinen. Bei allen RS-Kindern scheint neu Gelerntes am nächsten Tag wieder vergessen, die Lehrer/-innen wundern sich, die Eltern verzweifeln. Ältere Kinder zeigen, auch wenn nicht gleich ersichtlich, auch noch in kleinen Zahlenräumen (20er-, 100er-Raum) große Unsicherheiten. Textaufgaben scheinen ein Buch mit sieben Siegeln zu sein und sie sind nicht in der Lage sie zu entschlüsseln.

Aufgrund mangelnder Erfolge und dem Gefühl, mit dem Problem nicht fertig werden zu können, wird das Kind in der Regel zunehmend alles vermeiden, was mit Rechnen oder Mathematik zu tun hat. Gut gemeinte, aber für alle Beteiligten sehr anstrengende und aufreibende Übungen am Nachmittag erzeugen dabei meist nur weitere Misserfolge und ziehen das Kind und seine Eltern immer tiefer in einen Teufelskreis hinein.

Ursachen

Eine Rechenschwäche wird nicht von einer einzigen Ursache bedingt. Vielmehr handelt es sich um ein Ursachengeflecht, das individuell sehr unterschiedlich sein kann. Diese Ursachen lassen sich grob in drei Bedingungsfelder unterteilen:

  • Neuropsychologische Ursachen (genetisch bedingt oder frühkindlich erworben): Rechnen ist ein hochkomplexes Zusammenspiel von verschiedensten Gehirnregionen, woraus sich unterschiedlichste Stolperstellen ergeben können. Darunter fallen z. B. feinmotorische Koordinationsstörungen, Störungen der taktilen, visuellen oder akustischen Wahrnehmungsverarbeitung, Speicherschwierigkeiten im Kurz- und/oder Langzeitgedächtnis, AD(H)S, sprachliche Kodierungsschwierigkeiten (kann sich z. B. das Kind unter „dreizehn“ etwas vorstellen).
  • Soziokulturelle und familiäre Bedingungen: z. B. Beziehungsprobleme (Eltern-Kind, Kind-Lehrer/-in); psychische Belastungen in der Familie; Schulangstproblematik; mangelnde Leistungsmotivation; sprachliche Schwierigkeiten (die mathematische Sprache ist sehr knapp und präzise, es werden viele nicht alltägliche Begriffe, z. B. Fläche, Menge, Produkt usw., verwendet); mangelnde Alltagserfahrungen
  • Schulische und sonstige Ursachen: z. B. häufiger Lehrerwechsel in den ersten Grundschulklassen / Wechsel von Unterrichtsstilen; Drillrechnen ohne Aufbau von Zahlverständnis; verbindliches Vorschreiben von Denkwegen für alle Schüler; verfrühte Behandlung abstrakter Darstellungen; zu wenig Zeit und Gelegenheit zu handelndem Umgang mit Mathematik; zu frühes blindes Automatisieren; Vorkenntnislücken; Begabungsdefizite; ordinale Denkweise (d. h. die Zahlen werden als Nummern gesehen wie die Hausnummern an einer Straße, die kardinale Sichtweise findet keine Beachtung, d. h. der mengenmäßige Aufbau von Zahlen ist unklar)

Die angeführten Ursachen sind als Risikofaktoren anzusehen und führen in der Regel erst durch das ungünstige Zusammenwirken mehrerer Faktoren zu einer RS. Zunehmende Misserfolge im Rechnen erzeugen beim Kind ein Gefühl des Versagens und es entsteht ein psychisches Ungleichgewicht. Da Rechnen aber ein komplexer Vorgang ist, für dessen ungestörten Ablauf Mut, Selbstvertrauen und eine gewisse Risikobereitschaft Voraussetzungen sind, misstraut das Kind seinem eigenen Denken mehr und mehr und verstärkt damit die Ausbildung einer RS. Deshalb sind sehr anstrengende und aufreibende Übungen am Nachmittag zweifelhaft, da sie weitere Misserfolge produzieren und das Kind und seine Eltern immer tiefer in einen Teufelskreis Lernstörung hineinziehen.

Diagnostik

Eine zielgerichtete und effektive Therapie ist nur möglich, wenn eine aussagekräftige Diagnostik vorliegt. Neben der Überprüfung der Rechenfertigkeiten ist die Feststellung der Lernausgangslage, die Erfassung der Stärken und Schwächen des Kindes in verschiedenen Wahrnehmungs- und Verarbeitungsbereichen sowie die emotionale Befindlichkeit eine unabdingbare Voraussetzung für die Erstellung eines individuellen Förderplans. Wissenschaftlich anerkannte Testverfahren und ein von der PTE entwickeltes umfassendes Instrument zur qualitativen Erfassung der Rechenfertigkeit und zur Fehleranalyse bilden hierfür bei uns die Grundlage. Ergänzt wird die Diagnostik durch eine umfassende Anamnese (inkl. Fragebögen an Eltern und Lehrer) sowie die Überprüfung des Arbeitsverhaltens und der Konzentrationsfähigkeit des Kindes. Die Ergebnisse unserer Diagnostik werden in vielen Fällen durch Befunde anderer Fachstellen (z. B. sozialpädiatrische Zentren, psychologische Beratungsstellen) ergänzt. Die Diagnostik einer RS kann nach international anerkannten Diagnostikkriterien von der PTE erstellt werden.

Melden Sie sich für einen unserer Vorträge oder Workshops an.

Diese Informationsseite wurde in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Dyskalkulie, Lerncoaching, Diagnostik unter der Leitung von Dipl.-Psychologin Gisela Toepfer erstellt.

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