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Exekutive Funktionen– Impulskontrolle, Arbeitsgedächtnis und Kognitive Flexibilität

Bei der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen haben die exekutiven Funktionen eine große Bedeutung. Sie stellen die Fähigkeiten dar, die es ermöglichen, sich selbst zu steuern und zu organisieren. Einschlägige Studien belegen, dass gut ausgebildete exekutive Funktionen mehr Ausschlag für den Schul- und Lebenserfolg geben als eine gute Begabung. Wir zeigen wirksame Fördermöglichkeiten zur Entwicklung der exekutiven Funktionen auf.

Die zentralen exekutiven Funktionen sind klar definiert und in drei Themenbereiche aufgeteilt:

1. Die Impulskontrolle (Inhibition)

Impulskontrolle ist die Fähigkeit, einem Impuls zu widerstehen oder sich nicht ablenken zu lassen, um ein angestrebtes Ziel konsequent zu verfolgen. Sie wird auch Selbstregulationsfähigkeit genannt und hilft, einem leichten Reiz wie dem Spielen mit dem Tablet oder dem Chatten in einem sozialen Netzwerk zu widerstehen und stattdessen zum Beispiel mit den Hausaufgaben zu beginnen. Aufmerksamkeit und Verhalten können durch eine gut funktionierende Impulskontrolle gesteuert werden.

2. Das Arbeitsgedächtnis

Ein Aspekt des Arbeitsgedächtnisses ist die Handlungsplanung. Hierbei geht es darum, sich an Handlungsanweisungen zu erinnern und Alternativen in Betracht zuziehen. Das Arbeitsgedächtnis ist von elementarer Bedeutung beim Lösen von Rechenaufgaben oder beim Anwenden von Sprache, insbesondere von Fremdsprachen.

3. Die kognitive Flexibilität

Dies bezeichnet die Fähigkeit, sich auf neue Anforderungen einstellen zu können. Es betrifft bspw. die Umstellung von der Pause zum Unterricht oder das Nachhausekommen. Die kognitive Flexibilität ermöglicht es jedoch auch, die Sichtweise zu wechseln, die Argumente anderer in Betracht zu ziehen oder aus Fehlern zu lernen.

Aufschlussreiche Studienergebnisse

In einer Langzeitstudie in Neuseeland wurden 1000 Kinder, die zwischen 1972 und 1973 geboren wurden, bis heute regelmäßig getestet und befragt. Hierbei wurden die Zusammenhänge zwischen Selbstkontrolle in der Kindheit und dem weiteren Lebensweg beobachtet. Dabei stellte sich heraus, dass Menschen mit ausgeprägteren exekutiven Funktionen ein stabileres und erfolgreicheres Leben führen. Dr. Manfred Spitzer fand ebenfalls einen signifikanten Zusammenhang zwischen den exekutiven Funktionen in der Kindheit und dem späteren wirtschaftlichen Lebenserfolg sowie dem gesundheitlichen Verlauf. Dies hat demnach messbare Auswirkungen auf die Zahngesundheit, das Suchtverhalten oder auf das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft.

Förderung der exekutiven Funktionen

Eine Förderung ist über mehrere wissenschaftlich abgesicherte Ansätze möglich:

  • Computerbasierte Trainings, Neurofeedback
  • Spiele (z. B. FEX-Spiele, s. Quellen)
  • Ausdauersport („aerobes Training“)
  • Kampfsport (Einübung von Disziplin und Handlungsplanung)
  • (Hinlenkung der Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Sache)

Bei Letzterem hilft die sogenannte Rosinenübung:

Hier wird eine Rosine mit allen Sinnen und verschiedensten Fragestellungen betrachtet, ertastet und dann gegessen.

Auch Stroop-Übungen (stroop = engl. straucheln) sind hilfreich für das Aufmerksamkeitstraining:

Hierbei werden beispielsweise Begriffe von Farben in einer jeweils anderen Farbe gedruckt. Also zum Beispiel das Wort „Rot“ in der Farbe Gelb. Die Aufgabe besteht darin, die Druckfarbe zu benennen und nicht das Wort zu lesen.

Stopp-Übungen sind ebenfalls effektive Trainingsmethoden für die Ausbildung der exekutiven Funktionen. Hierzu gehören Spiele wie „Alle Vögel fliegen hoch“ oder die „Reise nach Jerusalem“.

Eine weitere Hilfe, um sich besser konzentrieren zu können ist Bewegung: Denn eine körperliche Betätigung von vier Minuten vor dem Lernen hilft, sich besser zu fokussieren. Hier kann bspw. eine aktive Pause eingelegt werden, in der sich gemeinsam bewegt wird. Dies kann vor allem innerhalb einer Einzelförderung von Nutzen sein.

Gerade bei ADHS ist es wichtig, die exekutiven Funktionen miteinzubeziehen. In der Lerntherapie ist deshalb das Lern- und Arbeitsverhalten traditionell ein zentraler Bestandteil der Förderung. Hier kann individuell auf Defizite in diesem Bereich eingegangen werden. Ein reines Bearbeiten von Stofflücken bringt in diesem Fall keinen nachhaltigen Effekt.

Umfassende Förderung in der Lerntherapie

Am Beispiel der exekutiven Funktion wird deutlich, warum ein umfassender Blick auf das Lernen bei Kindern und Jugendlichen eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass Verbesserungen in der Schule möglich werden. Konzentriert sich eine Förderung nur auf die Stoffinhalte, sind grundlegende und nachhaltige Verbesserungen nicht möglich. Die Kinder geraten unter Umständen in eine demotivierende Misserfolgsdynamik. Lerntherapie überprüft deshalb schon vor der Förderung diese und viele andere Parameter des Lernens. So hat man das Kind mit seinen Möglichkeiten, seinen Belastungen und seinen Befindlichkeiten im Blick. Darauf aufbauend wird ein Förderplan erstellt, der alle Bereiche des Lernens berücksichtigt und so die Erfolgswahrscheinlichkeit deutlich erhöht. Erst durch diese ganzheitliche Förderung auf der Grundlage lerntherapeutischer Kompetenzen kann gewährleistet werden, dass sich das Lernverhalten der Kinder dauerhaft verbessert und kontinuierlich weiterentwickelt. Zu Recht hat sich die Lerntherapie deshalb inzwischen zu einer sehr umfassenden Methode entwickelt. Sie kann nicht nur bei sehr gravierenden Schulproblemen eingesetzt werden, sondern immer dann, wenn Eltern Wert auf verlässliche Qualität und professionelle Unterstützung ihrer Kinder legen.

Quellen und Verweise

Mehr zur Förderung exekutiver Funktionen (FEX), auch zu passenden Spielen, erfahren Sie unter http://www.znl-fex.de/

Unter https://www.verlag-bildungplus... finden Sie neben anderen Publikationen zum Thema auch das kognitive Training von Dr. Sabine Kubesch.

Das Institut Bildung Plus befasst sich unter anderem intensiv mit den exekutiven Funktionen:

www.institutbildungplus.de

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