Kind corona zeichnung

Die emotionale Seite von Corona

Seit Monaten bestimmen sie unseren Alltag: Daten und Fakten über Corona. Täglich aufs Neue werden wir konfrontiert mit Zahlen, Bestimmungen oder Verboten und wissen manchmal nicht mehr, was tagesaktuell möglich bzw. eben nicht möglich ist. Während Erwachsene mehrere Möglichkeiten haben, sich mit der außergewöhnlichen Situation zu arrangieren, hängen Kinder und Jugendliche überwiegend fremdbestimmt in der Corona-Schleife fest - mit enormen Folgen auf die emotionale Befindlichkeit.

„Ich war mit meinen Eltern am Wochenende Fahrradfahren im Wald“, erzählt Benedikt in der Online-Lerntherapie und strahlt. Doch von weiteren Erlebnissen hat der 13-jährige aus der vergangenen Woche nicht zu berichten. „Sonst halt Schule“, erzählt er weiter und zuckt mit den Schultern. Mit seinen Freunden trifft er sich manchmal online zum Zocken. Aber auch dazu habe er oft keine Lust mehr. Es sei halt jeder Tag wie der andere.

Auswirkungen der "neuen Normalität"

So wie Benedikt fühlen sich viele Kinder und Jugendliche. Die Pandemie wirkt sich nicht nur auf die Lernfortschritte der Heranwachsenden aus, sondern belastet auch enorm die Psyche. Während es im normalen Schulalltag in der Regel einen Ausgleich gibt, sei es beim Sport oder bei anderen Hobbys, fallen auch diese Aktivitäten der Situation zum Opfer. „Die Kinder leiden darunter, dass sie sich und ihre Welt immer negativer wahrnehmen“, erklärt Silke Krämer, Expertin für Jugend- und Familienfragen in Heidelberg. Die frühere Gymnasiallehrerin unterstützt Familien bei Schulstressfragen und beobachtet die Entwicklung mit Sorge.
„Wenn negative Gefühle Überhand gewinnen und über einen längeren Zeitraum andauern, bedeutet dies Stress für den Körper“, erläutert Krämer. Und Stress über einen längeren Zeitraum bringe Erschöpfung, ein bröckelndes Selbstwertgefühl und die generelle Empfindung, „nicht gut genug“ zu sein. Neben der schulisch belastenden Situation, sich sehr viel Stoff selbst erarbeiten zu müssen und dem fehlenden körperlichen und geistigen Ausgleich, geht den Heranwachsenden vor allem der soziale Kontakt zu Gleichaltrigen verloren.

Soziales Umfeld und Corona

Eine Studie des Forschungsverbundes „Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit“, zeigt deutlich, dass Freunde und Freundinnen sowie das soziale Umfeld bei Jugendlichen eine weit größere Rolle spielen als bei Erwachsenen. Die aus Fachleuten der Universität Hildesheim und der Universität Frankfurt am Main in Kooperation mit der Universität Bielefeld bestehende Forschergruppe hat in der JuCo-Studie herausgefunden, dass sich viele Jugendliche einsam fühlen und dies auch von den Familien nicht aufgefangen werden kann. „Trotz der Unterstützung von zu Hause bricht bei eingeschränkten Kontakten, erst recht in der Situation eines Lockdowns, ein wichtiger Teil des Support-Netzwerks von Jugendlichen weg“, heißt es in der Untersuchung, die unter „Fragt uns 2.0 Corona Edition“ von der Bertelsmann Stiftung veröffentlicht wurde. Der Kontakt über digitale Medien könne ein Gespräch unter Freunden nur schwer ersetzen.

Zeit zum Handeln

Allerhöchste Zeit zum Handeln wird es, wenn erste körperliche Symptome wie Kopf-, Bauch- oder Rückenschmerzen auftreten oder sich die Kinder immer mehr zurückziehen. In den meisten Fällen wird nicht gleich an einen Erschöpfungszustand gedacht, können doch auch andere Ursachen dahinterstecken. Das medizinische Expertenteam des Leipziger Kinderzentrums am Johannisplatz rät Eltern, ihre Kinder zu beobachten und Veränderungen wahrzunehmen. „Betroffene Kinder suchen zum einen unentwegt nach Anerkennung, gleichzeitig sind sie mit ihren Leistungen stets unzufrieden. Nachts können sie nicht schlafen, wirken erschöpft und reagieren übertrieben gereizt“, heißt es auf der Webseite der Praxisgemeinschaft. So seien stressbedingt auch Wutausbrüche, Angst- und Panikattacken oder selbstzerstörerische Tendenzen wie Magersucht oder Ritzen der Haut möglich. In diesen Fällen sollten Betroffene sich schnell professionelle Hilfe holen. Erster Anlaufpunkt kann hier beispielsweise der Kinderarzt bzw. die Kinderärztin sein.

Wie beuge ich Problemen vor?

Doch wie können Eltern vorbeugen, damit es gar nicht so weit kommt? „Wie eigentlich immer ist auch in diesem Fall eine Mischung aus Verständnis und liebevoller Zuwendung das erste Trostpflaster “, weiß Kinder- und Jugendcoach Silke Krämer. Dem Kind das Gefühl geben, geliebt zu werden, ihm zuzuhören und den Druck aus dem Alltag zu nehmen, ist häufig der Schlüssel zum Erfolg. Denn oftmals ist ein Fahrradausflug in den Wald, wie Benedikts Eltern ihn gemacht haben, genau das Richtige für die Beziehung zwischen Eltern und Kind, um gemeinsam durch diese verrückte Zeit zu kommen.

Quellenangaben

1) Burnout bei Kindern - was können Eltern tun? Silke Krämer (www.silke-kraemer.de)

2) Erfahrungen und Perspektiven von jungen Menschen während der Corona-Maßnahme, „Kindheit–Jugend–Familie in der Corona-Zeit“ (www.igfh.de)

3) „Frag uns 2.0“ - Corona-Edition, JuCo-Expert:innenteam Jugend und Corona (www.bertelsmann-stiftung.de)

4) Burnout bei Kindern (www.kinderzentrum-am-johannisplatz.de)

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