Adhs

Ritalin bei ADHS

Ritalin ist ein Medikament, das häufig zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) eingesetzt wird. Es ist der Markenname für den Wirkstoff Methylphenidat. Ritalin gehört zur Gruppe der Stimulanzien und wirkt im zentralen Nervensystem.

Wie wirkt Ritalin?

Der genaue Wirkmechanismus von Ritalin bei der Behandlung von ADHS ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass es den Spiegel bestimmter Neurotransmitter im Gehirn beeinflusst, insbesondere Dopamin und Noradrenalin. Diese Neurotransmitter spielen eine wichtige Rolle bei der Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und der Regulation von Verhaltensweisen. Daher wirkt Ritalin anregend und fördert die Konzentration sowie die Leistungsfähigkeit.

Studien zur Verträglichkeit von Ritalin

Die kurzfristige Wirksamkeit und Verträglichkeit von Ritalin wurde durch viele Studien belegt: Das Medikament wird seit den 60er-Jahren weltweit sehr viel eingesetzt und ist eines der Medikamente, die am besten untersucht wurden. Über 180 randomisierte Studien und über 20 Meta-Analysen belegen die die Wirksamkeit und gute Verträglichkeit.

Allerdings gab es bisher nur wenige Daten zur Sicherheit und Verträglichkeit einer langfristigen Behandlung. Eine neue Studie, die gerade veröffentlicht wurde, will diese Lücke schließen: Ziel dieser Studie war es, die Sicherheit von Methylphenidat über einen Zeitraum von 2 Jahren in Bezug auf Wachstum und Entwicklung, psychiatrisch Gesundheit, neurologische Gesundheit und kardiovaskuläre Funktion bei Kindern und Jugendlichen zu untersuchen. Sie wurde auf Nachfrage der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA durchgeführt. Untersucht wurden dabei im Zeitraum von 2012 bis 2016 über 1400 Kinder und Jugendliche.

Einer der Erstautoren der Studie, Kinderpsychiater Professor Tobias Banaschewski vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim, erläutert die Ergebnisse:

Wir haben herausgefunden, dass die Methylphenidat Medikation sehr gut verträglich ist, dass also keine unbekannten Nebenwirkungen nach längerer Behandlungszeit auftreten.

Auswirkungen auf Puls, Blutdruck und Appetit

Es ist zu beobachten, dass der Puls und Blutdruck leicht ansteigt, wenn man das Medikament nimmt. Dieser Anstieg ist durchschnittlich jedoch nur sehr gering. Allerdings kann man daraus nicht ableiten, dass das auch bei jedem einzelnen Patienten, der das Medikament nimmt, der Fall ist. Deshalb muss man Puls und Blutdruck auch regelmäßig kontrollieren. Darüber hinaus gibt es bekannte Nebenwirkungen, dass bei bis zu zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen der Appetit gemindert werden kann. Das muss nicht immer ein großes Problem sein, aber es kann auch ein Problem sein. ADHS Betroffene sollten daher bei einer Langzeittherapie mit Ritalin regelmäßig ihren Puls und Blutdruck überprüfen, im Großen und Ganzen ist eine solche Langzeittherapie Banaschewskis Meinung nach jedoch ungefährlich.

Nicht ohne ärztliche Aufsicht

Ritalin ist nicht pauschal für jeden Patienten geeignet: Es sollte nur unter ärztlicher Aufsicht und nach einer umfassenden Diagnosestellung verschrieben werden. Es ist wichtig, dass Patienten regelmäßig ihren Arzt aufsuchen, um den Behandlungsverlauf zu überwachen und eventuelle unerwünschte Wirkungen zu besprechen. Darüber hinaus sollte Ritalin nicht missbraucht werden, sprich in einer höheren Dosis zu sich genommen werden.

Kann Ritalin abhängig machen?

Das Medikament zur Behandlung von ADHS macht nicht physisch abhängig, wenn es in der verschriebenen Menge eingenommen wird. Es ist auch kein Wegbereiter für den Missbrauch anderer Substanzen, denn eine euphorisierende Wirkung bleibt aus. Laut Ärzten gibt es aber Patienten, die von einem subjektiven «Bumerang-Effekt» sprechen – also eine kurzfristige stärkere Wahrnehmung der Symptome, wenn die Wirkung des Medikaments nachlässt.

Ritalin polarisiert

Ritalin ist eines der Medikamente, das am kontroversesten in der Öffentlichkeit diskutiert wurde. Es gibt die Annahme, diese Verhaltensauffälligkeiten liegen an der Spanne des Normalen, und würden mit Medikamenten weg therapiert. Und wenn die Kinder beispielsweise doch nur genügend Bewegung bekommen würden, hätten sie keine Probleme, und diese Behandlung sei nicht notwendig. Es gab sehr viele ideologische Debatten.

Bessere Verfügbarkeit für bessere Behandlungsmöglichkeiten

Die WHO hat es bisher abgelehnt, Ritalin in die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel aufzunehmen. Nun hoffen die Autoren der Studie, dass ihre Erkenntnisse dazu beitragen, die bestehenden Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen und Ritalin in die Liste der essenziellen Medikamente aufzunehmen. Dadurch könnten sich die Behandlungsmöglichkeiten für Menschen aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen verbessern.

Gerade Betroffene aus Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen haben wesentlich weniger Möglichkeiten eine Behandlung für ADHS zu erhalten. Das ist dann häufig denen vorbehalten, die das privat bezahlen können. Und angesichts der bei schwerem ADHS vorliegenden Risiken sollte es möglich sein, dass auch Menschen aus anderen Ländern einen vernünftigen Zugang zu einer Behandlung erhalten.

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