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Texte besser lesbar machen - für LRS-Betroffene

Menschen mit LRS (Lese-Rechtschreib-Schwäche) berichten von verschiedenen Schwierigkeiten beim Lesen von Texten: Manchen bereitet es Probleme, Buchstaben zu erkennen oder sie zu Worten zu kombinieren, andere beeinträchtigt eher das Schriftbild. Für sie sehen die Buchstaben wie komische "Zeichen oder Hieroglyphen" aus, die sie nicht verstehen können. Das Beispiel unten zeigt, wie Texte von LRS-Betroffenen wahrgenommen werden können.

Das Schriftbild trägt dazu bei, wie schnell man einen Text lesen und verstehen kann. Auch die Schriftart ist ein relevanter Faktor, der ganz entscheidend die Lesbarkeit beeinflusst. So kennen viele LRS-Betroffene das Problem der Buchstabengleichheit. Das heißt, ihnen erscheinen d und b als gleiche Buchstaben, genauso wie q und p. Auch F und E werden kaum unterschieden.

Optimale Gestaltung von Arbeitsmaterialien

Um den oben genannten Problemen entgegenzuwirken, haben wir folgende Tipps für die Gestaltung von Texten zusammengestellt:

Welche Schrift?

Leseschwache Menschen empfinden serifenlose Schriftarten wie Calibri, Arial oder die häufig verspottete Schrift Comic Sans als angenehmer und besser lesbar. Es gibt auch Schriftarten, die eigens für LRS und Legasthenie entwickelt wurden. Dyslexie beispielsweise soll die Wahrscheinlichkeit verringern, dass Menschen mit Legasthenie versehentlich Buchstaben umdrehen, was ein häufiges Symptom ist. Die Glyphen in Dyslexie sind stärker an der Grundlinie verankert als bei vielen anderen Schriftarten. OpenDyslexic verwendet den gleichen Ansatz wie Dyslexie, geht aber noch weiter. (Allerdings weisen Studien darauf hin, dass diese Spezialschriften eher keinen positiven Effekt haben.) Speziell für Leseanfänger wurde die Schriftart SemikolonPlus entwickelt. Sie minimiert das Verwechslungsrisiko ähnlicher Zeichen und leistet so einen Beitrag, Leseanfänger zu motivieren und das Lernen zu fördern.

Ein Mix aus unterschiedlichen Schriften ist nicht nur grafisch suboptimal, sondern auch im Hinblick auf die Lesbarkeit. Eine Schrift in unterschiedlichen Größen für Überschriften und Fließtext reicht normalerweise aus.

Eine Schriftgröße von 12-14 Punkt im Fließtext ist dabei optimal, da verschiedene Studien belegen, dass es bei leseschwachen Schüler:innen nicht unbedingt auf die Schriftgröße ankommt, sondern auf die Chance, Buchstaben voneinander klar abzugrenzen. Daher hilft es deutlich, den Zeichenabstand etwas zu erhöhen.

Ein weiterer Trick, um den Lesefluss zu vereinfachen ist die Textanordnung: Wird der Text linksbündig angeordnet, ist der Abstand zwischen den Wörtern immer derselbe.

Textstruktur:

Es gibt viele Möglichkeiten, einen Text übersichtlicher und lesefreundlicher zu gestalten. Eine hierarchische Struktur ist ein wichtiges Tool für mehr Lesbarkeit. Absätze sollten nicht zu lang und durch Zwischenüberschriften voneinander getrennt sein. Die Zwischenüberschriften sollten sich mindestens in der Buchstabengröße vom Fließtext abheben. Möglich ist auch, die Unterüberschriften zusätzlich zu fetten.

Der Text sollte sich natürlich gut vom Hintergrund abheben. Dunkle Buchstaben auf hellem Grund sind zwar nicht besonders kreativ, aber leicht zu lesen. Der Kontrast „schwarz auf weiß“ ist allerdings relativ hart. Lesefreundlicher ist eine dunkelgraue oder z.B. dunkelblaue Schrift.

Fett oder Kursiv?

Betonungen oder Hervorhebungen sollten wenn möglich nicht fett und kursiv dargestellt werden. Man sollte sich generell für das Eine oder das Andere entscheiden. Also: Entweder kursiv oder fett. Eleganter und lesbarer als die Standardfettung über die Schreibprogramme ist es, wenn man auf die unterschiedlichen Ausprägungen der Ausgangsschrift zurückgreift. So kann der Fließtext zusätzlich strukturiert werden, ohne dass die Lesbarkeit abnimmt.

Zeilenlabstand:

Angemessen voneinander getrennte Zeilen erleichtern das Lesen enorm. Als Faustregel kann man sich merken: Passt ein liegendes „h“ der Ausgangsschrift zwischen die Zeilen, ist der Abstand perfekt.

Manche Arbeitsmaterialien verwenden einen doppelten oder noch größeren Zeilenabstand, dies kann jedoch genau den gegenteiligen Effekt haben, denn: Ab einem doppelten Zeilenabstand

ist genau eine Zeile zwischen den Zeilen frei. Je nachdem, wie weit eine Textzeile nun über die Seite läuft, besteht die Gefahr, dass die Leser:in in der Zeile verrutscht und sich nicht orientieren kann. Ein Zeilenabstand bis maximal 1,5-zeilig ist ideal.

Zeilenlänge:

Bei sehr langen Zeilen kann man leicht den Faden verlieren. Besser ist es, die Zeilen eher knapp zu halten. Mehr als 80 Zeichen pro Zeile sollten es nicht sein, damit die Lesefreundlichkeit nicht darunter leidet. Wenn (technisch) möglich, kann es hilfreich sein, die Zeilenlänge auf ca. 55-60 Zeichen zu begrenzen, damit das Lesen (z.B. mit dem Finger) nicht zu weit läuft.

Grafiken und Bilder:

Grafiken, Bilder und Zeichnungen können den Text bildlich untermalen, ihn strukturieren oder Inhalte verdeutlichen, ja sogar motivieren und zur Arbeit anregen. Doch LRS-Betroffene werden davon eher abgelenkt. Zu viele Bilder machen den Text unruhig und erschweren die Orientierung für sie. Daher sollten Bilder, die keine inhaltliche Funktion haben, aus Arbeitsmaterialien gelöscht werden.

Wenn Bilder eine Aussage eindrucksvoll unterstreichen oder grafisch verdeutlichen, sollten sie im Text bleiben. Doch der Abstand zwischen Text und Bild sollte immer deutlich sein.

Illustrationen, die den Verlauf einer Geschichte beschreiben, können auch auf einem separaten Arbeitsblatt zur Verfügung gestellt werden, um den Lesefluss nicht zu unterbrechen.

Quellen

Weitere konkrete Hinweise zur idealen Gestaltung von Unterrichtsmaterialien finden Sie auf der Webseite von alphaPROF: https://alphaprof.de/2018/09/lrs-texte-lesefreundlicher-gestalten/

Von alphaPROF wurde außerdem ein Merkblatt zusammengestellt, das Sie hier als PDF kostenfrei herunterladen können.

Merkblatt Gestaltung von Unterrichtsmaterialien

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