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Fremdsprachen lernen trotz LRS

Lesedauer: ca. 4 Minuten

In den meisten deutschen Bundesländern steht Englisch bereits ab der ersten oder dritten Klasse fest auf dem Stundenplan. Sprachen öffnen Türen – gerade in unserer globalisierten Welt sind sie der Schlüssel zu gesellschaftlicher und beruflicher Teilhabe. Deshalb wird der Grundstein für das Fremdsprachenlernen immer früher gelegt. Die Kinder sollen lernen, alltägliche Sachverhalte zu erfassen, aktiv mitzureden und Gehörtes sowie Gelesenes richtig einzuordnen. Neben dem Verstehen und Sprechen gehören natürlich auch das Übersetzen und die schriftliche Ausdrucksweise zu den Lernzielen.

Probleme beim Erlernen der ersten Fremdsprache

In der Grundschule nähren sich die Jüngsten einer neuen Sprache meist noch spielerisch: Durch Bilder, Gesten, Mimik, Musik und kleine Rollenspiele steht die Freude am Sprechen im Vordergrund. Die korrekte Rechtschreibung spielt hier zunächst kaum eine Rolle.

Der Umbruch folgt ab der 5. Klasse, wenn die englische Orthografie plötzlich aktiv eingefordert wird. Genau an dieser Schwelle stoßen Kinder mit einer Lese- und/oder Rechtschreibschwäche (LRS) oft auf massive Barrieren. Weil im Englischen Lautung und Schreibung extrem stark voneinander abweichen, lassen sich Vokabeln im Kopf oft nicht logisch miteinander verknüpfen. Das Resultat: Ein Wort wird zwar völlig richtig ausgesprochen, kann aber nicht fehlerfrei aufs Papier gebracht werden.

Wie lässt sich dieser Frust vermeiden? Welche Brücken gibt es für betroffene Familien und wie können Eltern im Alltag sinnvoll gegensteuern?

Bewährte Strategien – heute ergänzt durch Technik

Nachteilsausgleich auch in Englisch:

Kindern und Jugendlichen mit bestätigten Lese-/Rechtschreibschwierigkeiten oder einer Lese-/Rechtschreibstörung in Deutsch wird ein sogenannter Nachteilsausgleich gewährt. Dieser ist auch bei Schwierigkeiten in einer Fremdsprache möglich. Mit einer stärkeren Gewichtung der mündlichen Leistungen kann ein Mangel in der Schriftsprache ausgeglichen werden. Auch Ersatzleistungen sind möglich: So kann ein Thema der Klassenarbeit beispielsweise als Referat präsentiert werden.

Was sich geändert hat: Neue Leitlinien und digitale Chancen

Die aktuelle Fachdiskussion (im Rahmen der S3-Leitlinie 2026) betont noch stärker, dass die evidenzbasierte Förderung auch in der Fremdsprache frühzeitig einsetzen muss. Es geht nicht mehr nur um das "Weglassen" von Fehlern, sondern um den gezielten Aufbau von Wortbildern durch multisensorisches Training.

Bewährte Strategien – heute ergänzt durch Technik:

  • Priorität für Kommunikation: Die mündliche Leistung steht im Vordergrund. Englisch soll Spaß machen und der Verständigung dienen, nicht der fehlerfreien Orthografie.
  • Nachteilsausgleich 2.0: Neben Zeitzuschlag und Notenschutz sollten heute auch assistive Technologien (wie Vorlesefunktionen oder adaptive Rechtschreibhilfen) als fester Bestandteil des Nachteilsausgleichs geprüft werden.
  • Lernen mit System: Statt reinem Auswendiglernen helfen strukturierte Lerntherapien, die Regelhaftigkeiten der englischen Sprache (Phonics) begreifbar zu machen.
  • Moderne Hilfsmittel: Apps wie Phase6 (mit speziellen LRS-Features) oder KI-gestützte Tools unterstützen Kinder dabei, Vokabeln auditiv und visuell gleichzeitig zu verarbeiten.

Praktische Alltagstipps für zu Hause

Eltern können zu Hause die sprachlichen Kompetenzen ihres Kindes erweitern, indem sie ihm Zugang zu englischen Spielen, Apps oder CDs ermöglichen. Die Seite Lit2Go stellt nach Klassenstufe bzw. Schwierigkeitsgrad geordnete Hörbücher mit viel Material zur Verfügung. Als weitere Möglichkeit werden Alltagssituationen wie Einkaufen, Bahnfahren oder das Aufräumen des Zimmers als Rollenspiele oder Dialoge geübt. Beispielsituationen sind in den entsprechenden Units der Englisch-Schulbücher enthalten. Auch englische Spiele eignen sich zum Aufbau des Wortschatzes.

Die Stärkung der mündlichen Fähigkeiten bringt lese- und/oder rechtschreibschwachen Kindern mit Schwierigkeiten im geschriebenen Englisch dem Ziel des Erlernens einer Fremdsprache näher. Gerade zu Hause kann diese Fähigkeit gut gefördert und ausgebaut werden.

Professionelle Begleitung: Die PTE hilft

Wenn die Blockaden tiefer sitzen und der Schulfrust zunimmt, bietet die PTE (Pädagogisch-Therapeutische Einrichtung) professionelle Rückendeckung. Die dort tätigen Lerntherapeutinnen, Pädagoginnen und Psychologinnen stehen Familien beratend und fördernd zur Seite. Durch wissenschaftlich fundierte Methoden und eine individuell angepasste Einzelförderung gewinnen die Kinder ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zurück und erleben endlich wieder spürbare Lernerfolge.

Spielempfehlungen

Zu Reimwörtern oder zum Aufbau des Wortschatzes eignen sich folgende Spiele:

  • „Englisch memory“ (Ravensburger)
  • „Find the Rhyme“ (Living & Learning).
  • Fortgeschrittenen Englisch-Lernern empfehlen wir:
  • „Thingy“ (Kallmeyer Lernspiele)
  • „Brain box“–The World (www.brainbox.co.uk)
  • "Just One" (Asmodee)
  • „Dobble / Spot it! XXL“ oder Themen-Editionen
  • „Flashcard Race“ (Das Bilder-Rennen)


Digitale Spiele und Apps:

  • „Novakid Magic Academy“ & „Studycat: Fun English“
  • „Endless Alphabet“ (Originator Inc.)
  • „Noun Town“ (Für PC / Mac / VR)
  • „Kahoot!“ & „Quizlet Live“ (Webbasiert / Smartphone / Tablet)

PTE-Redaktion: Manuela Bonfiglio

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