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Interview mit Jessica Burkert: das Sozialpädiatrische Zentrum

Jessica Burkert ist als Psychologin beim Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) am Stuttgarter Olgahospital angestellt. Nach einem Studium der Psychologie absolvierte die Diplompsychologin noch ein Masterstudium in klinischer Kinderpsychologie und ein Kontaktstudium in pädagogisch-psychologischer Lerntherapie.

PTE: Was ist Ihre Aufgabe beim SPZ?

Jessica Burkert: Ich bin für die Diagnostik und Begleitung von Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen, Entwicklungsauffälligkeiten und angeborenen oder erworbenen Behinderungen zuständig. Hierbei berate ich auch die Eltern.

Verhaltensauffälligkeiten betreuen wir im Sozialpädiatrischen Zentrum bei Erstvorstellung nur bis zum Ende der Grundschulzeit. Bei älteren Kindern wird an die Kinder- und Jugendpsychiatrie verwiesen.

PTE: Was macht für Sie das SPZ aus?

Jessica Burkert: Das SPZ befasst sich im ambulanten Bereich mit der Untersuchung und Behandlung von Kindern und Jugendlichen im Kontext ihres sozialen Umfelds. Die Schwerpunkte sind hierbei Entwicklungsstörungen, Behinderungen, Verhaltensstörungen oder seelische Beeinträchtigungen. Dies kann auch eine Untersuchung bei Verdacht auf eine dieser Beeinträchtigungen einbeziehen. Die SPZs in Deutschland sind in den meisten Fällen ambulante Einrichtungen.

Die Besonderheit ist die interdisziplinäre Diagnostik, Beratung und Begleitung. Es werden auch ambulante Therapien in verschiedenen Bereichen wie Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie und Heilpädagogik angeboten.

PTE: Wie kommen die Kinder und Jugendlichen zu Ihnen?

Jessica Burkert: Eine Behandlung ist nur auf eine Überweisung durch einen Kinderarzt möglich. Die Empfehlung für einen Besuch beim SPZ kommt oft aber auch von der Schule oder einer anderen Stelle wie z. B. einer lerntherapeutischen Einrichtung. Die Behandlung wird von der Krankenkasse übernommen.

Sollte sich das Problem ausschließlich auf Schulfragen wie z. B. Lese-/Rechtschreibstörung oder Dyskalkulie beziehen, verweisen wir an die schulpsychologische Beratungsstelle oder einen niedergelassenen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Wenn parallel beispielsweise ein Verdacht auf ADHS vorliegt, sind wir wiederum zuständig.

PTE: Neben der Kinder- und Jugendpsychiatrie – gibt es andere Empfehlungen für eine weitere Behandlung?

Jessica Burkert: Wir beraten die Eltern oft dahingehend, wo sie weitere Hilfe oder eine Therapie für ihr Kind bekommen können. Dies kann eine Lerntherapie, eine Logopädie, eine Ergotherapie, Physiotherapie oder Verhaltenstherapie sein. Den Eltern empfehlen wir außerdem manchmal auch die Beantragung einer Erziehungshilfe, Schulbegleitung, Familientherapie oder ein ADHS-Elterntraining, wie es auch die PTE anbietet. Eine fachärztliche Abklärung, z. B. beim HNO- oder Augenarzt, sowie pädiatrische Audiologie können ebenfalls erforderlich sein.

PTE: Was empfehlen Sie einer Schule, Eltern oder einer Fachstelle, wenn Sie vermuten, dass ein Besuch im SPZ notwendig sein könnte?

Jessica Burkert: Bei Unsicherheit darüber, ob das SPZ der richtige Ansprechpartner ist, kann durch einen Anruf oder eine E-Mail erfragt werden, ob die Voraussetzungen für einen Besuch gegeben sind.

Auf unserer Internetseite gibt es einen Anamnesefragebogen, der vor einem Besuch ausgefüllt werden muss. Dort kann man auch jeweils einen Schulfragebogen für Eltern und Lehrer ausdrucken. Diese Fragebögen müssen vorab zugeschickt werden, um einen Termin zu bekommen.

PTE: Wie lange dauert eine Behandlung im SPZ?

Jessica Burkert: Das ist natürlich stark davon abhängig, welche Beeinträchtigung vorliegt. Chronisch kranke Kinder werden selbstverständlich dauerhaft behandelt und begleitet. Wir bieten jedoch Eltern grundsätzlich eine regelmäßige Betreuung zur Verlaufskontrolle und Abklärung der Notwendigkeit weiterer Maßnahmen an.

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